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Ich habe mir ein Herz gefasst und noch einmal mit dem Regisseur geredet, was konkret ich denn besser machen könnte. Er meinte, ich hätte Talent, müsste aber noch an meinem allgemeinen Ausdruck arbeiten. Er hat mir so einen Rhetorik Kurs empfohlen. Klang für mich etwas suspekt, aber als ich das (in der Mittagspause) mal gegoogelt habe, habe ich ziemlich viele Treffer für den Rhetorik Kurs bekommen. Anscheinend ist so etwas populärer als ich dachte. Ich glaube, ich mache das einfach und melde mich gleich morgen bei diesem Rhetorik Kurs an. Ich meine, bevor die Proben anfangen, wäre ich gerne schon etwas fitter und würde die anderen Darsteller und vor allem den Regisseur gerne mit meinem aus dem Rhetorik Kurs gesammelten Wissen überraschen. Das klingt wahrscheinlich doof, aber das ist so ein Bereich, wo es mir wirklich wichtig wäre, zu zeigen, dass ich was kann. Ich hoffe nur, dass der Rhetorik Kurs das soweit auch leisten kann. Aber wenn ich mir die Beschreibung vom Rhetorik Kurs angucke, bin ich eigentlich zuversichtlich. Die werben ja auch damit, dass sie einem die Angst vor dem freien Sprechen nehmen – wie man sich vorstellen kann, hatte ich damit eigentlich nie ein richtiges Problem, aber ich bin immer bereit, an mir zu arbeiten und mich zu verbessern!

Naja…

17:06

Wie soll ich sagen? Eine Rolle habe ich auf jeden Fall sicher, aber dass der Regisseur mir nahegelegt hat, es vorher, wenn ich unbedingt gewillt bin, mitzuspielen, nochmal mit einem Kommunikationstraining zu versuchen, hat mich schon irgendwie getroffen. Klar, es ist utopisch, zu denken, dass man als fast völliger Laie mit „Profis“ mithalten kann, aber anscheinend habe ich mein Talent höher eingeschätzt, als es wirklich ist. Ich bin jetzt etwas demotiviert und überlege die ganze Zeit, ob ich das dann überhaupt noch will. Aber auf der anderen Seite würde ich mich schon gerne beweisen. Naja, ich schlafe noch eine Nacht darüber.

Inzwischen hat das ziemlich nachgelassen. Ich bin immer noch ziemlich gerne bei Aufführungen dabei und verfolge auch, was in unseren örtlichen Theater aufgeführt wird, aber selbst spiele ich eigentlich seit ein paar Jahren nicht mehr. Nachdem ich auf der Uni in der Theatergruppe war, hat das eigentlich völlig aufgehört, als ich ins Berufsleben eingestiegen bin. Aber vor ein paar Wochen hat meine Mutter mir erzählt, dass das Stadttheater hier gerne Hamlet aufführen möchte und dafür noch Leute sucht. Keine Ahnung, wie es mich nach so langer Zeit immer noch so jucken kann, aber da war ich Feuer und Flamme. Ich habe direkt da angerufen und bekam von einer freundlichen Frauenstimme die freien Rollen und die dazugehörigen Textstellen mitgeteilt. Seitdem bin ich in jeder freien Minute am Lernen meiner Texte und freue mich schon sehr auf das Vorsprechen, das bald stattfindet. Hoffentlich habe ich ein bisschen Talent behalten und kann da mitspielen!

Ich habe es schon als kleines Kind geliebt, mich zu verkleiden und Theater zu spielen. Kein Dachboden mit alten Kleiderkoffern war vor mir sicher und es existieren unzählige Bilder von mir, wie ich eine Krone aufgesetzt habe und mottenzerfressene Decken umgelegt habe, oder wie ich mich als Mädchen verkleide und so weiter. Kein Wunder, dass sich das auch fortgesetzt hat. Früher oder später bin ich in der Grundschule in der Theater-AG gelandet. Bei den Stücken, die wir da aufgeführt haben, waren die Ansprüche natürlich nicht sonderlich groß. Trotzdem war ich immer der Erste, wenn es darum ging, sich vorne hinzustellen und irgendetwas zu sagen. Ich glaube, das hat meiner Lehrerin einiges einfacher gemacht. Auch auf dem Gymnasium war ich in der Theater-AG. In der 13.ten Klasse bin ich auch in den Literaturkurs gegangen, der sich mit Theaterspielen beschäftigt hat und habe mich da richtig reingekniet. Ich habe einfach Spaß daran!

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